Andere Sprachen, andere Sitten

Mein Mann und ich kommunizieren in drei Sprachen. Das kommt nicht von ungefähr. Deutsch ist für uns beide Muttersprache. Studiert haben wir in Israel; nun leben wir seit geraumer Zeit in den USA. Neben Deutsch, fließen also Hebraïsch und Englisch ganz natürlich in unsere Unterhaltungen mit ein. Wir merken gar nicht, wann und wie wir von einer in die andere Sprache wechseln. Meine Freundin, Adina, ihres Zeichens Soziologin mit linguistischer Grundausbildung, merkt es aber sehr wohl. Und sie erkennt auch die feinen Unterschiede, die der jeweilige Sprachgebrauch in uns und in unseren Dialogen auslöst. “Ihr behandelt unterschiedliche Themen und benehmt Euch anders, je nachdem welche Sprache ihr miteinander sprecht”, klärte sie uns jüngst auf. Diese Beobachtung würde aber, so Adina weiter, nicht nur uns persönlich betreffen; sie decke sich auch mit den Erkenntnissen diverser empirischer Untersuchungen.

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Was internationale Marketer von Melania Trump lernen können

Seit Tagen spricht alles über die unselige Rede von Melania Trump. Dabei wird ausschließlich die Wahrscheinlichkeit diskutiert, dass es sich, zumindest in Teilpassagen, um ein Plagiat der Ansprache von Michelle Obama handelt. Wieder und wieder zeigt man die beiden Damen, in einer gnadenlosen Gegenüberstellung, um die Ähnlichkeit der Formulierung herauszustreichen. Mir fallen bei dieser Gegenüberstellung aber partout die Gegensätze auf — Gegensätze, die so meine ich, gerade auch für Menschen, die häufig Vorträge in einer Fremdsprache halten, lehrreich sind.

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“Lokaler als die ‘Natives'” oder wie man mehrsprachiges, multikulturelles Content Marketing richtig macht

Content Marketing gilt gemeinhin als unersetzlicher Erfolgsfaktor im modernen Marketing Mix. Aber nicht alle Content Marketing-Initiativen treffen ins Schwarze. Sie stehen und fallen zumeist mit der Güte der veröffentlichten Inhalte. Qualität, Aktualität und Zielgruppen-Relevanz in einem Land und in einer Landessprache richtig hinzukriegen, ist schon mal schwierig genug. Noch schwieriger wird es bei mehrsprachigen, multikulturellen Content Marketing-Programmen. Dass hier nicht nur die Künste der gelungenen Übersetzung und der geschliffenen Transcreation, sondern auch ein feines Verständnis für die geografisch-unterschiedlichen Content-Ansprüche und Geschmacksrichtungen erforderlich sind, zeigt BuzzFeed.

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Mobilität und Marketing in der Automobilbranche

Gestern stellte VW-Chef Matthias Müller seine neue Konzernstrategie vor und sprach dabei von einem “epochalen Wandel” in der Automobilbranche. Auslöser sei, unter anderem, der rasante Durchsatz von Mobilitätsdiensten, wie Uber, Gett, Lyft und Via. Schon jetzt zählen diese Services, laut Boston Consulting Group, knapp 6 Millionen Nutzer weltweit. In fünf Jahren sollen es 35 Millionen werden. Ob diese Vorhersage nun eintrifft oder nicht, führende Fahrzeughersteller stellen sich bereits auf den Mobilitätstrend ein. In knapper Abfolge ist GM bei Lyft, Toyota bei Uber, und VW bei Gett eingestiegen. Müller bezeichnet die VW-Beteiligung an Gett als “Nukleus für den Ausbau” weiterer Dienste, wie Robotaxis und Carshares. Kurz: Die Autoindustrie befindet sich im Umbruch. Wie er sich auf das Marketing auswirkt und welche neuen Absatzmodelle er inspirieren könnte, wollen wir nachstehend untersuchen.

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Tipps für einen erfolgreichen USA-Markteintritt

Screen Shot 2016-06-09 at 11.47.40 PMEs passiert immer wieder: Ein deutsches Unternehmen ist im Heimmarkt erfolgreich und will, ob der Größe und Kaufkraft des erhofften Kundenstamms, in die USA expandieren. Man prüft kurz, ob Interesse am Angebot besteht, stellt auf ein paar amerikanischen Messen aus, ergattert vielleicht auch noch den einen oder anderen lokalen Kunden – und beschließt schließlich in den USA eine Niederlassung aufzubauen. Die Probleme lassen nicht lange auf sich warten: Man hat die lokale Bürokratie unterschätzt, findet nur schwer die passenden Partner und Mitarbeiter, und beißt sich die Zähne an der Kundenakquise aus. Trotz diverser Meetings, Cold Calling- Kampagnen, und Emails geht das Geschäft nur zäh, sehr zäh voran. Und so kommt es, wie es nicht kommen muss: Man steckt die mittlerweile doch recht erhebliche Investitionssumme als Verlustposten weg und packt die Koffer. Für all jene Unternehmen, die es anders machen wollen, hier ein paar Tipps für den erfolgreichen USA-Marktauftritt.

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Willkommen im Schwerdt-Blog

In diesem Marketing-Blog finden Sie künftig jede Menge aktueller Informationen und Tipps zum Thema internationales Marketing, frisch aus der Feder von Yvette Schwerdt. Hier geht es um mehrsprachiges, multikulturelles Content Marketing, Transcreation, Social Media, Mobile Marketing, Werbung und PR, Omnichannel Marketing, traditionelle und innovative Medien, Branding – kurz, es geht um alles, was das Thema Marketing in aller Welt und besonders in den USA und in Deutschland so spannend macht.
Gleich nächste Woche geht es richtig lost, mit handfesten, umsetzbaren Tipps zum mehrsprachigen Content Marketing.
Wir hoffen, Sie haben Spaß an den Beiträgen , lassen sich vom ihnen ein wenig inspirieren und schicken uns auch mal Feedback.
Wir freuen uns auf den Dialog.

Marketing für Minderheiten

Früher galten sie als Freiwild. Jetzt wehren sich die gesellschaftlich Unterdrückten. Frauen, Übergewichtige, Minderheiten, Menschen die anders aussehen, lieben und leben als die meisten, sie alle kämpfen mit wachsendem Erfolg gegen tradierte Vorurteile. Dass die Marketingindustrie sie dabei zunehmend unterstützt — ich erinnere hier nur an die Dove Real Beauty-Kampagne — steht außer Zweifel. Dass ihre Beweggründe nicht unbedingt altruistisch sind, wohl auch. Jüngstes Beispiel: Pensionisten streben einen gesellschaftlichen Wandel an. Und Marketinginitiativen, wie Advanced Style und Disrupt Aging, geben ihnen dabei kräftig Rückenwind.
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Online Händler aufgepasst: Mit diesen Tricks bekommen Sie mehr Klicks

Online Marketer überlegen immer wieder, wie sie Kunden noch mehr engagieren und zusätzliche Klicks generieren können. Dabei achten Sie besonders auch auf die sogenannte Micro Copy, sprich die kurzen Texte in Links, Handlungsaufrufen und Registriertasten. Empirische Tests haben nämlich erwiesen, dass oft ein einziges Wort in diesen Kurztexten die Klickraten maßgeblich beeinflussen kann. Susan Weinschenk rät, sich bei der Wahl der richtigen Worte auf menschliche Verhaltensmuster zu besinnen. Kürzlich hat die Autorin und Bloggerin beispielsweise dargestellt, dass Kunden stärker auf Haupt- als auf Zeitworte reagieren.

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Private Gedanken zum Holocaust-Gedenktag*

Yom_Hashoah_candleSie ist sehr elegant. Zierlich und fein und stets sorgfältig gekleidet. Auch ihr Benehmen zeugt von vornehmer Zurückhaltung. Einzig, wenn sie auf Antisemitismus stößt, da verliert Dora die Fassung. Da wird sie zur Löwin. Kein Wunder. Sie war als ganz junges Mädchen knapp ein Jahr lang im Konzentrationslager Auschwitz. Dort hat sie Vater und Bruder verloren. Dort musste sie, zum Skelett abgemagert, ebenso schwere wie sinnlose Sklavenarbeit verrichten. Dort hat sie, entgegen aller Widrigkeiten, überlebt. Zweimal wurde Dora nach links, sprich in den Gaskammer-Tod, geschickt. Zweimal wurde sie, wie durch ein Wunder, gerettet.

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Die Macht der Worte

Screen Shot 2016-04-28 at 3.39.02 PMWenn ich, nach langem Flug, in meiner Geburtsstadt Wien lande, kommt stets Freude auf. Ich freue mich auf mein Elternhaus, auf die Lieben, die mich dort erwarten, auf meine Freunde, auf mannigfache kulturelle und kulinarische Leckerbissen, und weil ich nun einmal ich bin, auf den Genuss, allerorts in meiner Muttersprache zu schwelgen. Allein, dieser Genuss wird mir bisweilen vergällt. Letzten Dienstag, etwa, fiel mir eine große Juwelenwerbung in der Flughafen-Ankunftshalle auf. Grafisch war da nichts auszusetzen. Allein die Worte, die prominent auf dem Plakat prangerten, machten mir zu schaffen. „IN EVERY WOMAN IS A QUEEN“ stand nämlich, da zu lesen. Warum die Tagline für eine Schweizer Uhr in English konzipiert wurde, war mir schon mal schleierhaft. Dass sie dann auch noch grammatikalisch zu wünschen übrig ließ, wunderte mich zusätzlich.  Besonders enttäuschend war für mich aber die Tatsache, dass hier fahrlässig mit Worten umgegangen worden war.

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