Effizientere Sicherheitskontrollen am Flughafen? Gute Idee – schlechte Werbung


In letzter Zeit war ich öfter im Flieger unterwegs und ärgerte mich, genau wie die meisten anderen Passagiere, über die langwierigen Sicherheitsmaßnahmen, die das internationale Reiseerlebnis oft zum Spießrutenlauf machen. Neulich etwa wurde ich gemeinsam mit vier anderen Mitfahrern unvermittelt aus der Warteschlange geholt.

Wir wurden gebeten, unsere Pässe abzugeben und sollten auf einem angewiesenen Platz verharren, bis man uns rufe. Die anderen Passagiere gingen indes an Bord. Erst nach mehrmaligem Nachfragen wurde uns erklärt, es handle sich um eine routinemäßig durchgeführte Sicherheitskontrolle. Wir fünf – ein älterer, gebrechlicher Herr, ein schneidiger Businessmann, eine sympathisch-vergammelte Studentin, ein schmalschultriger Talmudgelehrter und ich – blickten verdutzt in die Runde. Irgendwie eignete sich keiner von uns zum militantenKrieger. Wieviel Sinn machen solche Stichproben und wann werden endlich vernünftigere, effizientere Sicherheitskontrollen eingeführt, fragten wir uns. Offenbar fragen sich das viele.

Jedenfalls hat die US Travel Association kürzlich ein neues „Be Trusted-Programm“ eingeführt. Es sieht verkürzte Kontrollen für Passagiere vor, die sich vorab diversen Background-Checks unterziehen und bestimmte Kriterien erfüllen. Mit rationalisierten Sicherheitsmaßnahmen, so die Logik, wird die Wartezeit verkürzt, das Reisevergnügen wiederhergestellt und der Tourismus angekurbelt. Im Klartext bedeute das mehr Einnahmen und mehr Jobs.

Das Problem: Die Kampagne, die die Initiative begleitet, stößt auf öffentlichen Widerstand. Die Werbung zeigt nämlich jene Phenotypen, die ohne große Mühe abgefertigt werden sollten, etwa einen weißen Steueranwalt, eine schwarze Marketingexpertin, eine asiatische Mami, und ein neunjährige Mädchen  aus Tulsa. Sie alle seien ganz offensichtlich keine Terroristen.

Im politisch korrekten Amerika verursachte diese Werbekampagne einen nationalen Aufschrei. Sie sei rassistisch, vorurteilsbehaftet und irreführend. Schließlich sähen nicht alle Terroristen gleich aus, wären nicht äußerlich erkennbar und würden keiner bestimmten Nationalität angehören.

Wirklich? Mir scheinen diese Gegenargumente, ob der bestehenden Terror-Statistik, nicht unbedingt stichhaltig. Die meisten Menschen, so meine ich, disqualifizieren sich als Terroristen bereits auf den ersten Blick. Trotzdem halte auch ich die Kampagne für konterproduktiv. Sie geht nämlich am Zielpublikum vorbei.

Anstatt so plakativ auf die diversen Nationalitäten einzugehen und damit den Eindruck von Rassismus zu wecken, hätte die US Travel Association veranschaulichen können, bei wie vielen Reisenden weniger umständliche Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen selbst ausreichen würden, und wie sehr der gesamte Luftverkehr davon profitieren könnte.

Mit positiven Botschaften, die einschließen anstatt auszugrenzen, könnte das Programm bald jede Menge Anhänger und Passagiere dann jede Menge Reisespaß hinzugewinnen.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Author: y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet MADE-to-MARKET , New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihren Artikeln, Kolumnen und Vorträgen, referiert Yvette Schwerdt über interessante, lehrreiche Marketing News.

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