Ärger bei Apple

Man möchte es kaum für möglich halten, aber selbst Apple kann dramatische Marketingsünden begehen. Beispiel: Die jüngste Werbekampagne des Computerkings, die rechtzeitig zum Start der olympischen Spielen geschaltet wurde. Es handelt sich um drei Spots, die jeweils einen Dialog zwischen einem ahnungslosen Kunden und einem beflissenen Apple-Genie nachstellen. Die Spots machten sofort Furore. Aber leider aus den falschen Gründen. Jetzt wurden sie aus dem Verkehr gezogen. Nach weniger als zwei Wochen! Sehen Sie hier, warum:

Die neuen Spots ernteten jede Menge Kritik bei Presse und Publikum, weil sie zweitens nicht besonders witzig und erstens überheblich waren. Sie stellten den Kunden nämlich als rechten Trottel dar, der das unerschütterlich-freundliche Apple-Genie selbst mit den dämlichsten Fragen nicht aus der Ruhe zu bringen vermag. Was für ein Unterschied zur legendären Mac vs. PC-Kampagne! Ihr war es seinerzeit gelungen, nicht nur dem Mac, sondern auch dem Mac-User ein supercooles Image zu verpassen, während die Konkurrenz und ihre Klientel nur müde belächelt wurden. In der neuen Aktion, sind es die eigene Marke und die eigene Kundschaft, die verlacht werden.

Das ging den Menschen zu weit. Viele sprachen von Hybris. Andere, wie das WSJ und Techcrunch meinten,Apple hätte alles genial inszeniert. Beweis: alles spricht von der Marke. Mir scheint das nicht überzeugend, zumal sich Apple nie über mangelnden Buzz sorgen muss. Nein, ich meine, es handelt sich um einen Fehlgriff. Apple wollte, so nehme ich einmal an, mit Selbstironie punkten. Der Gedanke ist gar nicht so verkehrt. Denn bei der Hauptzielgruppe der werbeüberdrüssigen, jungen User kommt es im Allgemeinen gut an, wenn sich eine Marke selbst nicht allzu ernst nimmt. Der Fehltritt von Apple war, dass der Spaß hier in erster Linie auf Kosten der Kunden und nicht der Marke ging.

Apple hat jedenfalls rasch reagiert, und die Kampagne gestrichen — Microsoft und der Fehlstart der Bill Gates/Jerry Seinfeld-Werbung lassen übrigens grüssen. So weit also, so schlecht. Die offizielle Begründung für den Abbruch der Kampagne macht die Sache dann aber nochmals schlechter. Man habe von vornherein nur eine zeitlich-begrenzte Aktion geplant, ließ man verlauten. Schade, es wäre doch einfach gewesen die beleidigten Kunden auszusöhnen. Wie? Mit dem Eingeständnis, dass man das Publikum respektiert und seinem Einwand Folge leistet. Damit, so denke ich, hätte sich Apple besser rehabilitieren und aus der Not eine Tugend machen können.

Was meinen Sie?

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Author: y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet MADE-to-MARKET , New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihren Artikeln, Kolumnen und Vorträgen, referiert Yvette Schwerdt über interessante, lehrreiche Marketing News.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *