Apple und Google tragen Kampf auf dem iPhone aus

Alles spricht über die Fehde zwischen Apple und Samsung. Wirklich spannend ist aber ein anderer Konflikt, nämlich der zwischen Apple und Google.  Das letzte Opfer dieser Rivalität: der iPhone 5-Kunde. Er muss nämlich auf die Maps-Applikation von Google, die ihm aus den früheren Versionen seines Handys ans Herz gewachsen ist, verzichten, und an ihrer statt mit einer hauseigenen, weit-unterlegenen Apple-Anwendung vorlieb nehmen. Beobachter sind entsetzt; Verbraucher wütend. Den Apple-Absatzzahlen scheint der Aufruhr aber keinen Abbruch zu tun. Jedenfalls noch nicht.

Google Maps hat das iPhone seit seiner Einführung in 2007 bereichert, und User setzten auf die praktische Anwendung, um sich zu orientieren, rasch an ihr Ziel zu gelangen und zuweilen wohl auch die eine oder andere Lokalität näher zu betrachten. Auf die Google App war jedenfalls immer Verlass. Das ist bei ihrem Apple-Pendant offenbar nicht der Fall. Das System verfügt zwar über eine ansprechende Oberfläche, dirigiert User aber zuweilen an den falschen Ort und bietet keine Wegbeschreibungen für öffentliche Transportmittel – für viele User, ein herber Verlust.

Wer aber steckt hinter der Entscheidung die bewährte App auszuwechseln? Offenbar, beide Seiten. Google weigerte sich die populäre „Turn by Turn“-Funktion für das Apple-Handy verfügbar zu machen. Daraufhin beschloss Apple dem widerspenstigen Erzkonkurrenten den Hahn zuzudrehen. Jedenfalls kam es zum endgültigen Bruch der beiden Unternehmen, die dereinst das erste iPhone gemeinsam vorzustellen verstanden.

Ergebnis: Alle Parteien müssen zurückstecken. Google verliert eine wichtige Einkommensquelle. Schließlich kommt die Hälfte des Google-Maps Traffics von iPhone-Usern, die gerade auch mit der Suche nach Cafes, Restaurants und  Geschäften in ihrer Nähe, bei Google indirekt die Kassen klingeln lassen. Apple verzeichnet, ob der vielen öffentlichen Verrisse der neuen Maps-Anwendung, Prestigeverluste. Und der iPhone 5-Kunde muss auf eine seiner beliebtesten Applikationen verzichten.

Merkwürdigerweise schaffen diese Nachteile bei den Beteiligten wenig Reue. Google scheint sich über die vielbeklagte Unterlegenheit des Konkurrenzproduktes zu freuen. Apple lacht sich wohl ob der gigantischen Absatzahlen ins Fäustchen. Und Verbraucher, die eine der ersten iPhone 5-Handys erhascht haben, strahlen.

Sicher, vielleicht wird der Konkurrenzkampf langfristig bessere Produkte schaffen. Mir scheint die Entwicklung allerdings bedenklich. Ich halte den Gedanke, den Joe Nocera jüngst in der New York Times geäußert hat, für richtungsweisend: Wenn Technologieführer aufhören, Innovation und Perfektion zu verfolgen und stattdessen vornehmlich das eigene Geschäftsmodell defensiv zu schützen suchen, dann   haben sie ihren Zenit bereits überschritten. Dann kommen nämlich rasch neue Rivalen mit besseren, klügeren Ideen zum Zug.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Author: y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet MADE-to-MARKET , New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihren Artikeln, Kolumnen und Vorträgen, referiert Yvette Schwerdt über interessante, lehrreiche Marketing News.

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