Publicis Omnicom: Die Fusion und ihre [potenziellen] Folgen

In der internationalen Werbeindustrie gab es diese Woche bekanntlich Big News. Publicis und Omnicom haben ihre Fusionspläne angekündigt. Noch dieses Jahr, oder spätestens Anfang 2014, soll das Duo im Zusammenschluss dem bisherigen Branchenführer, WPP, den Rang ablaufen, 130.000 Mitarbeiter weltweit vereinen und an der Börse sagenhafte 35 Milliarden Dollar wert sein. Wenn alles nach Plan läuft, wird die neue Publicis Omnicom ihren Firmensitz in den Niederlanden haben und in den nächsten 30 Monaten von den beiden bisherigen Chefs, Maurice Levy (Publicis) und John Wren (Omnicom) gemeinsam geführt werden. Danach soll der jüngere Wren die Alleinherrschaft übernehmen, während der heute 71-jährige Levy in den Ruhestand tritt. Beobachter überlegen nun fieberhaft, wie es eigentlich zum Merger kam, und was die Entwicklung für die Agenturwelt, die Medienlandschaft, die Werbetreibenden und nicht zuletzt auch die Verbraucher bedeutet.

Schenkt man den Worten von Levy und Wren Glauben, so geht es beim Merger darum, dem steigenden Wettbewerbsdruck der neuen Mediengiganten –  Google, Facebook und Twitter — entgegenzuwirken und den veränderten Ansprüchen von Industrie und Big Data, optimal zu entsprechen. Das Problem ist nur: Kaum einer schenkt den Worten der beiden legendären „Mad Men“  wirklich Glauben. „Es geht um eine Handvoll mächtiger Führungskräfte, deren Karriere sich dem Ende zu neigt,  und die nun, mit einem Schlag, ihr Vermächtnis zementieren und Geschichte schreiben können“, meint Jon Bond. Und auch Eric Pfanner spricht in der New York Times darüber, dass der ehrgeizige und charismatische Levy mit der fulminanten Fusion wohl seinen eigenen triumphalen Karriereabschluss inszeniert. 

Einig sind sich Beobachter auch darüber, dass der Zusammenschluss das bisherige Gefüge der Agenturbranche massiv erschüttern wird. Medieninhaber sollen, ob der schieren Kaufkraft von Publicis Omnicom, künftig eine viel schwächere Verhandlungsposition haben. Und Wettbewerber, wie WPP, könnten an die Wand gedrückt werden – es sei denn, sie würden selbst auf den fahrenden Fusionszug aufspringen. Experten spekulieren denn auch schon, mit wem sich WPP künftig zusammenschließen wird. Levy-Erzrivale und WPP Chef, Martin Sorrell, bleibt allerdings bislang zurückhaltend. Es sei ein fantastischer Deal für Publicis, “ erklärte er gegenüber dem Guardian, „und ein ungeheuer mutiger, überraschender Schritt.“ Man müsse allerdings abwarten und sehen, wie sich die Angelegenheit de facto entwickeln würde, gab er dann zu bedenken.

Tatsächlich sind mit der Ankündigung der Fusion längst nicht alle Fragen ausgeräumt. Im Gegenteil. Wie werden Agenturkunden reagieren? Vor allem jene, die wie Coke und Pepsi, in einem radikalen Konkurrenzverhältnis zueinander stehen und jetzt plötzlich von derselben Agenturgruppe mit Zugriff auf dieselben Datenpools betreut werden? Wie wird der Verbraucher auf die immer persönlicheren Werbungen antworten, die dank der kombinierten Datenmengen, bald zum Standard gehören? Wird er sich über die gezielte Ansprache freuen, oder sie als bedrohlich und beunruhigend empfinden? Wie sieht es mit den Mitarbeitern aus? Werden sie den Merger und die erforderliche Fusion verschiedener Unternehmenskulturen als bereichernd oder bedrohlich erachten? Last but not least: Was werden die Wettbewerbshütter tun? Werden sie dem Merger zustimmen, oder wird die große Idee sich bald, ob mangelndem Einverständnis der Kartellbehörde, in Luft auflösen.

Viele offene Frage also. Kein Wunder, dass Beobachter mit viel Spannung auf die internationale Agentur- und Marketinglandschaft blicken. Wollen Sie, lieber Leser, eine Prophezeiung wagen?

In diesem Sinne… Happy Guessing

 Yvette Schwerdt  

 

Author: y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet MADE-to-MARKET , New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihren Artikeln, Kolumnen und Vorträgen, referiert Yvette Schwerdt über interessante, lehrreiche Marketing News.

One thought on “Publicis Omnicom: Die Fusion und ihre [potenziellen] Folgen”

  1. Der Hinweis, dass die Fusion ein Vorteil für Aktionäre sei, ist interessant, aber auch etwas verwunderlich. Es muss doch um den Kunden gehen,für den es gilt Werte zu schaffen, oder?

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