Studie zeigt: Mehrsprachige Content Marketing-Strategie bleibt selbst bei Multis Mangelware

Alle Welt spricht über die Chancen im Content Marketing. Ich selbst, im Übrigen, mit eingeschlossen. Natürlich ist die Disziplin aber auch mit eigenen Risiken behaftet. Ein solches Risiko betrifft insbesondere international-tätige Unternehmen. Ich spreche von der qualifizierten Übersetzung und Lokalisierung der produzierten Markeninhalte. Wie eine neue Befragung von Cloudwords bei der Content Marketing World Konferenz kürzlich ergeben hat, mangelt es mehr als 60% der globalen Konzerne an einer umfassenden, mehrsprachigen Content Marketing Strategie. Schlimmer noch: Obwohl 92% der Befragten Ihre Markeninhalte zumindest teilweise länderspezifisch übertragen lassen, haben die meisten Verantwortlichen keine Ahnung, wie das geschieht. Mehr als zwei Drittel wissen nicht, welches Budget sie für diesen Zweck zur Verfügung haben, und ob ihr Unternehmen ein Übersetzungstool einsetzt; ein Drittel ist nicht sicher, wie lange Übersetzungsprojekte dauern oder dauern sollten. Und knapp 42% haben, in Sachen mehrsprachiges Content Marketing, keine konkreten Pläne für die Zukunft.

Dabei sind sich nahezu alle Befragten einig, dass Markeninhalte übersetzt werden müssen. Allen voran, so die Verantwortlichen, sollten Webseiten, Broschüren und Produktliteratur, sowie Blog- und Social Media-Posts marktspezifisch aufbereitet werden. Zu den wichtigsten fünf Sprachen für die Übersetzung aus dem US-Englischen zählen dabei Französisch, Spanisch, Deutsch, Chinesisch und Japanisch.

Offenbar ist das aber leichter gesagt als getan. Marketer klagen nämlich in der Praxis über diverse Probleme bei der Übersetzung ihrer Inhalte, etwa hohe Kosten, langsame Lieferzeiten und empfindliche Schwierigkeiten, Branding und Botschaften länderübergreifend konsistent zu halten.

Nun bin ich selbst ja seit Jahren im multinationalen Marketing mit Schwerpunkt Deutschland-USA tätig und kenne die genannten Einwände aus eigener Erfahrung.  Mir aber scheint, es mangelte, zumindest bislang, in erster Linie am Verständnis für die Notwendigkeit hochwertiger, länderspezifischer Inhalte. Viele Unternehmen, zu viele, die sich zur Inhaltsdarbietung in unterschiedlichen Sprachen durchgerungen hatten, gaben sich mit ungeschickten, wenn auch grammatikalisch korrekten, eins- zu-eins Übersetzungen zufrieden und wunderten sich dann über das Ausbleiben der erhofften internationalen Klientel.  Wenn der Triumphzug des Content Marketings in den Köpfen der Verantwortlichen hier eine Änderung und eine Sensibilisierung für die Bedeutung sprachlich-hochwertiger, marken- und marktgerechter Inhalte herbeigeführt hat, dann hat das Content Marketing  internationalen Unternehmen eine weitere, große Chance eröffnet.

In diesem Sinne… Happy Content Marketing
Yvette Schwerdt

Author: y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet MADE-to-MARKET , New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihren Artikeln, Kolumnen und Vorträgen, referiert Yvette Schwerdt über interessante, lehrreiche Marketing News.

5 thoughts on “Studie zeigt: Mehrsprachige Content Marketing-Strategie bleibt selbst bei Multis Mangelware”

  1. Hallo Frau Schwerdt,

    sie haben sicher recht, dass der Stellenwert noch zu gering ist. Mich würde aber mal ne Aufstellung interessieren, welche Weg Unternehmen hier gehen könnten (bezogen auf Text).
    Wenn man Artikel zentral und qualitativ hochwertig übersetzen lässt, zahlt man fast noch 1/2 bis 2/3 des Initialpreises (je nach Sprache natürlich).Die Koordination fällt dagegen leichter.
    Dann kann ich natürlich Native Speaker in jedem Land rekrutieren, was einen größeren Aufwand an internen Ressourcen darstellt.
    Übersetzungstools sind natürlich Quatsch. Was aber sehen Sie hier noch für Möglichkeiten?

    Beste Grüße
    Stefan

  2. Hallo Herr Johannesberg,

    es gibt eine Reihe von Plattformen, wie etwa die von Cloudwords, die den Verwaltungsaufwand der unterschiedlich-sprachigen Texte erheblich erleichtern. Wichtig ist aber auch der ursprüngliche Job, sprich die lokale Anpassung dieser Texte. Mit qualitativ noch so hochwertigen Übersetzungen ist es häufig nicht getan. Es geht darum, die Wünsche und Bedürfnisse des lokalen Zielpublikums zu erkennen, die entsprechenden Botschaften zu definieren und sie sprachlich und kulturell an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Das schafft ein einziger, lokaler Übersetzungsanbieter fast nie.
    Meine Meinung: in Schlüsselmärkten mit lokalen Marketingagenturen zusammenarbeiten und den Managementaufwand mit Hilfe der oben genannten Plattformen überschaubar halten.
    Ich hoffe, das hilft ein wenig weiter!
    Beste Grüße aus NYC
    Yvette Schwerdt

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