Wie Medien wieder profitabel werden können

Lange galt sie als der seriösen Medien eisernste Grundsatzregel, die klare Trennung zwischen Werbung und Redaktion. Jetzt kommt sie ins Wanken. Die bekanntlich arg-bedrängte Medienbranche sucht nämlich nach neuen, lukrativen Erwerbsquellen. Gut, sie greift dabei nicht direkt auf die Werbung, sondern – und viele finden das noch bedenklicher – auf den Vertrieb zu. Ja wirklich. Führende Publikationen bauen jetzt eine Ecommerce-Funktionalität in ihre Artikel ein. Interessierte Leser werden damit umgehend zu online Käufern und lassen auch bei Verlagen endlich wieder die Kassen klingeln.

So baut beispielsweise die Thrillist Media Group (TMG) gerade „Shops“ in ihre redaktionellen Beiträge ein. Ab kommenden Montag werden die drei digitalen Publikationen des In-Verlags nicht nur über das Neueste in Mode, Möbel, Kosmetik, oder Hotelzimmer berichten, sondern die erwähnten Produkte und Dienstleistungen auch gleich verkaufen. „Shops“ bietet im Übrigen einen Komplettservice inklusive Kundendienst, Merchandising und Fulfillment.

Über die Tatsache, dass der neue Service möglicherweise die redaktionelle Unbefangenheit der Publikationen beeinträchtigen könnte, mach sich Ben Lerer keine großen Sorgen. „In Sachen Umsatzerwirtschaftung wollten wir nie stur nur in eine Richtung nachdenken“, erklärt der TMG-Gründer. „Wir haben von Anfang an die Monetisierung über Medien und über E-Commerce überlegt“.

Über die gerümpften Nasen anderer Verleger kann Lerer bloß lachen: “Die benutzen das Stichwort ‘redaktionelle Unbefangenheit’ doch bloß als Ausrede, weil sie weder das nötige Geld, noch die Zeit, noch das Know-How haben, um eine erfolgreiche E-Commerce-Strategie zu entwickeln und zu implementieren”.

Trotzdem räumt auch er ein, dass man bei der Integration von Redaktion und Business Vorsicht walten lassen muss, um die Qualität der Berichterstattung nicht zu gefährden. Es gelte eben, den richtigen Weg zu finden.

Mir scheint Lerer ist auf der richtigen Fährte. Denn wenn Unternehmen nun mittels Content Marketing zu Verlegern werden, dann ist es nur recht und billig, dass Verleger jetzt auch als Unternehmen fungieren. Bleiben bei dieser Entwicklung die Inhalte auf der Strecke? Ich glaube nicht. Denn der heutige Kunde versteht es, die Spreu vom Weizen zu unterscheiden und wird Medien nur dann unterstützen, wenn sie guten Content mit gutem Commerce verbinden.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Author: y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet MADE-to-MARKET , New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihren Artikeln, Kolumnen und Vorträgen, referiert Yvette Schwerdt über interessante, lehrreiche Marketing News.

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