Schluss mit der High-Tech Hype? Der neueste virale Hit von IKEA, und was man daraus lernen kann

Gestern bat uns ein Kunde aus der High Tech-Branche um Hilfe. Wir sollten seine Präsentationsunterlagen überarbeiten. Sie seien zwar mit großer Sorgfalt und nach neuesten Erkenntnissen entwickelt worden, würden aber bei seinen Zielgruppen nicht so recht ankommen. Ein Blick auf die Unterlagen verdeutlichte das Problem. Die visuelle Aufbereitung und die dargestellten Produkt-Features waren eindrucksvoll. Zu eindrucksvoll. Vor lauter Eindrücken verlor man als Zuschauer nämlich den Überblick über das Wesentliche und schaltete kurzerhand ab. Das Problem haben heute viele Unternehmen. Und genau diese Erkenntnis machen sich die clever-verschrobenen Marketingexperten von IKEA bei der Promotion ihres neuen Produktkataloges zu Nutze.

Der schwedische Möbelhersteller verspottet bombastische Produkteinführungen. Ganz besonders zielt er es natürlich auf Apple ab. „Chief Design Guru“ Jörgen Eghammer präsentiert, im typischen Apple-Hype-Modus, ein ganz normales Buch. Es brauche keine Kabel, habe eine unlimitierte Batteriedauer, sei bereits mit Inhalten bestückt und basiere auf echter „Touch-Technologie“. Zudem ließe es sich auch ganz einfach teilen und markieren. In dieser Art geht es 2 Minuten lang weiter, und jede Point sitzt.

Natürlich ist IKEA kein Technologieverächter. Im Gegenteil. Das Unternehmen hat diverse digitale Marketinghits herausgebracht und seinen Produktkatalog bereits vor zwei Jahren mit Augmented Reality versehen. Mit seiner neuesten Anti-High Tech-Hype-Präsentation hat er aber offenbar einen Nerv berührt. Jedenfalls konnte die Werbung auf Video innerhalb der letzten 24 Stunden über 1,2 Millionen Ansichten generieren. Tendenz rasch steigend.

Was kann man aus diesem Erfolg lernen? Dass Menschen Technologie-überdrüssig sind? Dass sie sich nach Klassik und Einfachheit sehnen? Dass wir aufhören sollen, unsere Kunden mit immer grandiosen Erneuerungen zu überwältigen? Wahrscheinlich auch. Vor allem aber können wir daraus lernen, dass Apple noch immer das Maß aller Dinge ist, und dass jede Referenz zum Cupertino-Cool-Faktor – ob nun positiv oder negativ – mehrfach punktet.

Mittlerweile sitzen jedenfalls die Fans schon im Freien vor den Apple-Stores und warten sehnsüchtig auf die ersten iPhone 6, die am 9. September auf den Markt kommen. Und das, obwohl Apple noch gar keine Werbung für das neue Gerät geschaltet hat.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Author: y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet MADE-to-MARKET , New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihren Artikeln, Kolumnen und Vorträgen, referiert Yvette Schwerdt über interessante, lehrreiche Marketing News.

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