Apple zwischen Bendgate und Brandlove

Am vergangenen Wochenende hatten sie ihren Spaß, die Twitter-Trolle unter den Apple-Antagonisten. Sie feierten Bendgate und deklarierten den neuen Iphone 6 Plus-Launch zum Debakel, weil sich das Gerät in der Hosentasche mancher Kunden leicht verbogen hatte. Ein Videoblogger lieferte, mittels erheblicher Kraftanwendung, den anschaulichen Beweis für das Problem und generierte damit prompt 47 Millionen Ansichten. Rivalen aber auch andere Marken machten sich das populäre Spektakel prompt zu Nutze und gaben ihre teils witzigen und teils ätzenden Kommentare auf den Social Media-Plattformen zum Besten. Apple blieb allerdings ungerührt, setzte die neuen Geräte weiterhin wie warme Semmel ab und durfte sich, einmal mehr, an der liebevollen Loyalität der unternehmenseigenen Fans erfreuen.

Apple-Rivalen hatten dem Launch des neuen iPhone wohl mit einiger Beklommenheit entgegengeblickt. Als sich Bendgate abzeichnete, machten sie Ihrer Erleichterung jedenfalls umgehend Luft:

HTC feuerte folgenden Tweet ab:

Samsung schrieb, etwas weniger subtil:

Und LG schoss sich in Frankreich gar ein Eigentor, weil folgende Botschaft ausgerechnet von einem iPhone getweetet wurde!

Der Geräuschpegel wurde schließlich so laut, dass sich Consumer Reports einschaltete. Die ehrwürdige Verbraucherschutzorganisation setzte sowohl das iPhone 6 Plus als auch andere Handys einem 3-Punkte-Biegetest aus. Dabei schnitt das neue Gerät gut ab.

Zwar argumentieren manche noch, der Test sei nicht ausreichend. Mittlerweile sprechen die Tatsachen aber eine lautere Sprache. Kaum eine Handvoll User haben sich bisher de facto beklagt. Tausende standen indes am offiziellen Launch-Tag Schlange, um das neue Smartphone zu erstehen. Und dutzende sogenannte „Line-Sitters“ verkauften die ergatterten Exemplare am Schwarzmarkt um die Ecke.

Auch in Sachen Image hat Apple die Oberhand behalten. Die Brandrivalen wirkten mit ihren sarkastischen Bemerkungen eher de- als offensiv und entpuppten sich als Trittbrettfahrer, die auf die Popularität ihres Erzfeindes angewiesen waren.

Apple selbst darf sich, wieder einmal – genau wie bei “Antennagate” in 2010, in der schier bedingungslosen Zuneigung seiner loyalen Fans aalen. Die hat sich, wie Ken Segall erklärt, Steve Jobs sehr systematisch aufgebaut. „Jobs wollte, dass jeder Aspekt der Kundenerfahrung, von der Werbung über die Betreuung im Laden bis hin zur Öffnung der Verpackung, dem Produktgenuss und dem Service, die Zuneigung der Kunden für Apple vertieft “, schreibt der ehemalige Apple-Werbeguru.  Damit wollte Jobs sicherstellen, dass die Kunden mehr kaufen, andere mit ihrer Begeisterung für die Marke anstecken und ihr, bei eventuell anfallenden Problemen, den Rücken stärken.

Offenbar ist seine Strategie, auch in diesem Bereich, voll aufgegangen.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Author: y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet MADE-to-MARKET , New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihren Artikeln, Kolumnen und Vorträgen, referiert Yvette Schwerdt über interessante, lehrreiche Marketing News.

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