Internationales Content Marketing und die Wiederverwertung von Inhalten

6325041143_fcc508e243_oNeulich ist mir folgendes Missgeschick passiert: In meinem Eifer rasch per Handy eine Weisheit auf Facebook zu posten, habe ich, aus Versehen, auf mein Profilbild geklickt. Das Foto selbst hat sich zwar nicht verändert. Trotzdem sandte das System eine Nachricht über mein vermeintlich-neues Konterfei aus. Und meine Facebook-Freunde reagierten. Die einen mit einem netten Kommentar, die anderen  mit einem freundlichen Like. Keiner aber bemängelte den fehlenden Neuigkeitswert. Erst fand ich den Vorfall ein wenig peinlich, dann eher erheiternd, und schließlich einigermaßen erkenntnisreich. Er zeigt nämlich einmal mehr, wie gut sich manche Inhalte wieder verwerten lassen. Besonders Unternehmen, die international tätig sind, können in ihrem Content Marketing von dieser Taktik profitieren. Allerdings gilt es dabei, auf folgende Punkte  zu achten.

  1. Inhalte sorgfältig auswählen
    Zunächst gilt es in der Masse der eigenen Unternehmensinhalte jene zu finden, die sich für eine transatlantische Wiederverwertung eignen. Ums gleich vorweg zu nehmen: Nein, nicht alles, was in einem Land Schlagzeilen macht, ist auch in einem anderen Land von Interesse. Aber vieles. Im Allgemeinen gelingt es Inhalten, die regional besonders beliebt waren und Kunden überdurchschnittlich zu engagieren vermochten, auch anderswo zu punkten. Paradebeispiele: Inhalte von Dove, die die „wahre Schönheit“ zelebrieren und jene von Red Bull, die dazu animieren, die eigenen Grenzen zu testen und über sich selbst hinauszuwachsen. Solche Power-Inhalte kommen in Amerika ebenso gut an wie im deutschsprachigen Raum.
  2. Inhalte lokal anpassen

    Ist der Content erst einmal ausgewählt, geht es darum, ihn lokal anzupassen. Wenn, zum Beispiel, ein deutsches Unternehmen einen großen amerikanischen Kunden gewonnen oder ein komplexes Projekt in den USA absolviert hat, dann sollte die News in diversen Detailabstufungen in der amerikanischen PR, sprich in den lokalen Pressemitteillungen, Blogs, Anwenderberichten und  Fachartikeln, Eingang finden. In Deutschland selbst hat die Nachricht natürlich ebenfalls einen gewissen PR-Wert. Damit sie dem lokalen Zielpublikum aber echten Mehrwert bietet, muss sie anders aufgemacht werden. Das bedeutet nicht nur, dass sie sprachlich übersetzt und kulturell adaptiert wird. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von Transcreation. Nein, es geht auch darum, aus den bestehenden Inhalten eben jene Lehren und Erkenntnisse zu extrapolieren, die für den lokalen Kunden relevant sind. Selbstverständlich gilt es auch, die Inhalte, dementsprechend neu aufzumachen und zu aktualisieren.
  3. Inhalte strategisch streuen
    Wichtig ist es auch, die ausgewählten Inhalte optimal zu streuen. Wer zum Beispiel in Deutschland einen detaillierten Blog schreibt, der kann einige wichtige Konzepte daraus entnehmen, sie in einer Infographik zusammenfassen und dem vielleicht etwas ungeduldigeren, amerikanischen Kunden, der rasch das Wesentliche erfassen will, anheim stellen. Wer einen international-relevanten, umfangreichen Fachartikel verfasst hat, kann aussagekräftige Zitate oder spannende Statistiken entnehmen und sie Fans und Followern – auch und besonders in Amerika– auf Facebook und Twitter mitteilen.

Die systematische Wiederverwertung von Inhalten im internationalen Marketing klingt nach einem einfachen Ausweg aus dem ständigen Content-Produktionsstress. In Wirklichkeit ist die Aufgabe anspruchsvoll, weil sie Marketinggeschick, kulturelles Fingerspitzengefühl, Plattform-Know-How und großes Verständnis für die unterschiedlichen Bedürfnisse der überregionalen Zielgruppen erfordert.  Der Aufwand lohnt sich aber allemal, weil er Produktionskosten senkt und Wirkungskreise potenziert.

 

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Author: y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet MADE-to-MARKET , New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihren Artikeln, Kolumnen und Vorträgen, referiert Yvette Schwerdt über interessante, lehrreiche Marketing News.

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