Der neue Retail-Trend: “Slow Shopping”

Whiskey Bar bei Club Monaco

Es ist noch gar nicht lange her, da zählten Geschwindigkeit und Effizienz zu den unabdingbaren Erfolgskriterien im stationären Handel. Es galt, den Shopper, ähnlich wie im online Umfeld, rasch durch den Laden zu schleusen und zum Ziel zu führen. Wie sich jetzt herausstellt, war diese Taktik ganz verkehrt. “Wenn Sie sich in einem Origins Laden hinsetzen, geben Sie wahrscheinlich 40% mehr aus, als wenn Sie stehen bleiben”, schrieb Ellen Byron kürzlich im Wall Street Journal. Erkenntnisse wie diese sind mittlerweile vielfach empirisch nachgewiesen und haben eine radikale Veränderung im stationären Handel eingeläutet. Tatsächlich suchen heute immer mehr Läden, die Einkaufserfahrung zu verlangsamen. Der neue Trend heißt denn auch: „Slow Shopping“.

Aktuelle Studien haben erwiesen, dass Kunden beim Shopping nicht nur Produkte erstehen, sondern auch Erlebnisse genießen, wollen. Deshalb haben findige Retailer ihre Läden entsprechend umgestaltet.

Beispiel 1: Origins. “Wir haben uns entschlossen, weniger auf Produkte und mehr auf Storytelling zu setzten”, erklärt Stéphane de la Faverie. Deshalb habe der General Manager von Origins in seinen Läden speziell-beleuchtete “Selfie Wände” und eigene Waschbecken eingeführt. So können Kunden die diversen Seifen und Lotions gleich ausprobieren und ihren Effekt verewigen.

Beispiel 2: Lowes Foods. Die Lebensmittelkette aus North Carolina hat ihre Läden in eine eigene Abenteuerwelt mit diversen themenspezifisch-aufbereiteten Abteilungen umgewandelt. Es gibt jede Menge spaßhafte Elemente, wie etwa einen eigenen Wurstprofessor, farbenfrohe Gemüse- und Obstdisplays, und allerorts weht der Duft frisch-zubereiteter Köstlichkeiten. All das hat das Einkaufserlebnis bei Lowes unterhaltsam gemacht und, laut dem Unternehmen, sowohl die einzelnen Einkaufskörbe als auch die Anzahl der Transaktionen potenziert.

Beispiel 3: Club Monaco. Die Modekette wartet in manchen Läden mit eigenen Kaffee- und Whiskey-Bars, Bäckereien und zuweilen sogar mit Bibliotheken auf.

Es gibt zudem noch zahlreiche weitere Beispiele für den “Slow Shopping”-Trend. Das gemeinsame Ziel fasst Oona McCullough, die Sprecherin von Urban Outfitters  zusammen: “Unsere Läden sollen ein Ort werden, an dem Kunden gerne Zeit verbringen.” Der Modeladen hat sich natürlich selbst auch dem “Slow Shopping”-Trend verschrieben und überrascht Kunden in einigen Läden mit integrierten Restaurants, Konzerten und Kunstveranstaltungen.

Anstatt dem online Shopping nachzueifern, hat sich der stationäre Handel jetzt auf die eigenen Stärken besonnen. Im Laden lassen sich Kunden nämlich auf mannigfache Weise engagieren. Wichtig ist es, sie zum Verweilen zu animieren. Mit datengestütztem Verständnis dafür, was Shopper interessiert, und was sie brauchen. Mit jeder Menge, origineller und interessanter Erlebnismöglichkeiten, die alle fünf Sinne ansprechen. Mit einem geschulten Verkaufsteam, das Hilfesuchenden beratend zur Seite steht. Und mit einem abwechslungsreichen Angebot, das immer wieder zu bezaubern versteht.

Wenn Shopper dann zunehmend in den Laden strömen, ziehen sie automatisch weitere an, weil jeder sehen will, was so viele begeistert. Und der Retailer darf sich über höhe Umsätze aus dem Geschäft mit bestehenden und mit neuen Kunden freuen.

Aus der Marketing-Metropole New York:
Yvette Schwerdt

Author: y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet MADE-to-MARKET , New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihren Artikeln, Kolumnen und Vorträgen, referiert Yvette Schwerdt über interessante, lehrreiche Marketing News.

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