Mobilität und Marketing in der Automobilbranche

Gestern stellte VW-Chef Matthias Müller seine neue Konzernstrategie vor und sprach dabei von einem “epochalen Wandel” in der Automobilbranche. Auslöser sei, unter anderem, der rasante Durchsatz von Mobilitätsdiensten, wie Uber, Gett, Lyft und Via. Schon jetzt zählen diese Services, laut Boston Consulting Group, knapp 6 Millionen Nutzer weltweit. In fünf Jahren sollen es 35 Millionen werden. Ob diese Vorhersage nun eintrifft oder nicht, führende Fahrzeughersteller stellen sich bereits auf den Mobilitätstrend ein. In knapper Abfolge ist GM bei Lyft, Toyota bei Uber, und VW bei Gett eingestiegen. Müller bezeichnet die VW-Beteiligung an Gett als “Nukleus für den Ausbau” weiterer Dienste, wie Robotaxis und Carshares. Kurz: Die Autoindustrie befindet sich im Umbruch. Wie er sich auf das Marketing auswirkt und welche neuen Absatzmodelle er inspirieren könnte, wollen wir nachstehend untersuchen.

Fahrzeughersteller setzen bislang auf traditionelle Werbungen und stellen die Leistungskraft ihrer Fahrzeuge, aber auch lukrative Cashback-Deals und Discounts in den Mittelpunkt ihrer Kommunikation. Künftig werden sie wohl auf andere Modelle umsteigen. So könnten sie beispielsweise, ähnlich wie es heute Mobilfunk-Betreiber machen, Jahreskontrakte für ihre Transportservices anbieten. Kunden bekommen einen Code für ihre Mobility-App und nutzen den Dienst laufend, wie ihr Handy eben. Selbstverständlich werden Hersteller auch ihr Mobility-Service-Angebot laufend differenzieren und qualifizieren wollen, sei es mit besonderem Einstiegs- und Sitzkomfort für ältere Menschen oder Extras, wie Videoconferencing, für Geschäftsreisende. Das Marketing wird wohl künftig auch auf Synergien zwischen Fahrzeugabsatz und Mobility Services eingehen. So verspricht VW jedem Gett-Abonnenten einen Rabatt beim Kauf eines neues Volkswagens.

Auch Autohändler werden ihr Marketing umstellen und künftig nicht unbedingt ihr Fahrzeugangebot, sondern eher ihre Mobilitätsleistungen bewerben. Vielleicht werden auch sie, vor Ort, Jahresverträge für Transportservices verkaufen oder Probefahrten mit den einzelnen Dienstleistern anbieten.

Schließlich wird sich wohl auch beim Versicherungsmarketing einiges ändern. Einige Mobilitätsdienste werden beispielsweise Unfall und Lebensversicherungen für Passagiere oder Transportversicherungen für hochwertige Güter anbieten.

Der Mobilitäts-Trend zieht sich also durch die gesamte Automobilbranche und ihr Marketing. Ob es allerdings wirklich einen “epochalen Wandel” einläutet, bleibt noch abzuwarten. Sicher, in überfüllten Großstädten, wie New York, werden Mobilitätsdienste und fahrerlose Autos wohl bald das Stadtbild prägen und zu rückläufigen Absatzzahlen bei Neufahrzeugen führen. In Vororten und ländlichen Gegenden, so meine ich aber, werden Menschen immer noch den eigenen Wagen kaufen und fahren wollen.

Aus der Marketing-Metropole:
Yvette Schwerdt

Author: y.schwerdt

Yvette Schwerdt ist Expertin für internationales Marketing mit dem Schwerpunkt Deutschland/Amerika. Sie leitet MADE-to-MARKET , New York. Die Agentur unterstützt Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum bei ihrem USA-Marktauftritt und amerikanische Firmen, die in Deutschland Geschäfte machen. In ihren Artikeln, Kolumnen und Vorträgen, referiert Yvette Schwerdt über interessante, lehrreiche Marketing News.

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